Geschichte des Taekwon-Do


Ursprung der Kampfkünste


Viele Länder erheben Anspruch auf Ursprung der Kampfkünste. Durch die Notwendigkeit, sich gegen wilde Tiere und menschliche Feinde zu verteidigen, haben sich Kampfkünste vermutlich aber an mehreren Orten der Welt gleichzeitig entwickelt. Dort, wo die Menschen Zeit zum Üben hatten, wurde Kampfkunst systematisiert und auf hohem Niveau betrieben. Dies waren vor allem Klöster und Adelshöfe.



China


Das Kloster Shaolin Tsu in der südchinesischen Provinz Honan war wohl die wichtigste Keimzelle der asiatischen Kampfkunst.
Der indische Mönch Bodhidharma brachte um 520 n.Chr. den Zen-Buddhismus von Indien nach China. Nach mehreren Zwischenaufenthalten ließ er sich im Shaolin-Kloster nieder. Viele Sagen ranken sich um ihn. So wird erzählt, dass er 9 Jahre lang vor einer Wand meditierte, auf der heute noch sein Schatten zu sehen sein soll. Vor Müdigkeit lösten sich seine Augenlider und fielen zu Boden. Daraus sollen die ersten Teepflanzen gewachsen sein, die die Mönche fortab gegen die Müdigkeit verwendeten. Ein Mönch kam von auswärts um Schüler Bodhidharmas zu werden. Er wartete tagelang neben Bodhidharma, aber dieser beachtete ihn nicht. Da schnitt sich der Mönch einen Arm ab, worauf Bodhidharma ihn zu seinem Stellvertreter ernannte.
Das von Bodhidharma gelehrte Za-Zen war körperlich und geistig sehr ermüdend. Viele Mönche schliefen dabei ein und schlafften körperlich ab. Zur Ertüchtigung der Mönche entwickelte Bodhidharma das Kung Fu. Ursprünglich handelte es sich um eine reine Gymnastikübung. Wegen der Gefährdung der Mönche durch Räuber auf ihren Reisen und durch überfälle auf das Kloster entwickelten sie aus dem Kung Fu Bodhidharmas eine Kampfkunst. Sie brachten Kung Fu zur Blüte und galten als beste Kämpfer China’s.
Von China aus verbreitete sich die Kampfkunst in ganz Südostasien.



Korea


Die drei Königreiche


Korea war auf Grund seiner geographischen Lage schon immer eine Kulturbrücke zwischen China, Japan und Okinawa. Vor 660 war Korea in 3 Königreiche geteilt: Koguryo, Paekche und Silla. Am Königshof von Silla gab es eine Elitekaste von Kriegern namens Hwa Rang Do. Sie waren die koreanischen Samurai. Die Hwa Rang Do übten sich in verschiedenen Künsten und im Kampf. Der Name der Kampfkunst war Soo Bahk Do. In den Jahren 660 – 668 gelang den Hwa Rang Do die Vereinigung der 3 Königreiche unter der Führung des kleinsten Reiches Silla. In der Folge kam es zur Blüte des Soo Bahk Do.


Japanische Besatzung


Während der Japanische Besatzung (1910 bis 1945) war die Ausübung der Kampfkünste verboten. Einige Meister übten die Kampfkunst im Geheimen.
Folgende Künste wurden vor allem geübt:
Taekyon
Tang Soo Do
Soo Bahk Do
Kong Soo Do
Die koreanischen Kampfkünste waren durch die geographische Lage Koreas beeinflußt von China (Kung Fu, Tang Soo Do) und Japan/Okinawa (Okinawa-Te, Jiu Jitsu, Karate).


Tang Soo Do


Nach Ende der Besatzung kamen die Meister wieder aus dem Untergrund und unterrichteten Kampfkunst unter den verschiedenen Namen.
Die bedeutendste Schule war die Mu Do Kwan Schule im Hauptbahnhof von Seoul. Leiter war Großmeister Hwang Kee, der die Kampfkunst in China erlernt hatte. Er galt zu dieser Zeit als führender Meister Koreas. Hwang Kee nannte seine Kampfkunst Tang Soo Do ("Hand von Tang" nach der chinesischen Tang-Dynastie).


Taekwon-Do


Nach Ende der Besatzung gab es in Korea eine Rückbesinnung auf koreanisches Kulturgut. 1954 kam ein Gremium der wichtigsten Meister, Historiker und Politiker unter Leitung von General Choi, Hong-Hi zusammen, um die verschiedenen Stile unter einem Namen zu vereinen. Man einigte sich auf den Namen Taekwon-Do. Als Oberhaupt des Taekwon-Do wurde General Choi, Hong-Hi gewählt. Choi hatte als Kind mit Taekyon begonnen und später in Japan Karate erlernt.
Als Formensystem wurden die Chan-Hon Hyongs (Chon-Shi bis Tong-Il) eingeführt. Chan-Hong bedeutet "Blaues Haus" und ist das Pseudonym von Gen. Choi.
Hwang Kee trat wieder aus dem Taekwon-Do aus und betrieb weiter Tang Soo Do. Später nannte er seine Kunst Soo Bahk Do, nach der Kampfkunst der Hwa Rang Do. Er starb am 14.07.2002 in Seoul.
Anfang der 60er Jahre begann die Verbreitung von Taekwon-Do in der ganzen Welt.
1965 bereiste ein Großmeisterteam unter Leitung von Gen. Choi ganz Europa. Als Cheftrainer für Europa wurde Kwon, Jae-Hwa eingesetzt, der sich in Deutschland niederließ.
1966 wurde die International Taekwon-Do Federation ITF gegründet. Präsident war Gen. Choi.
1972 reiste Gen. Choi nach Nordkorea, um auch dort Taekwon-Do zu verbreiten. Daraufhin wurde er von der südkoreanischen Regierung des Landes verwiesen und lebte fortab im kanadischen Exil. In späteren Jahren veränderte er sein System stark, um es vom Karate zu unterscheiden. Ziel war die Schaffung einer endogenen koreanischen Kampfkunst. Die Formen heißen nicht mehr Hyong, sondern Tul. Auffälligstes Merkmal des neuen Stiles ist die "Sinusbewegung" in den Formen.
Gen. Choi starb am 15.06.2002 in Pyongyang, Nordkorea.
1973 wurde in Korea die World Taekwondo Federation WTF gegründet. Ziel war vor allem die Verbreitung von Taekwondo als Wettkampfsport. Um die Formen des Staatsfeindes Choi abzuschaffen, wurden die Palgue eingeführt.
1976 wurden diese durch die Poomse abgelöst.



Deutschland


1965 wurde Kwon, Jae-Hwa (heute 7. Dan) als Cheftrainer für Europa und Deutschland eingesetzt.
1968 gründete er eine Schule in München und suchte nach weiteren Trainern. Seine ersten Assistenten waren Seo, Yoon-Nam (heute 9. Dan) und Song, Chae-Yong (heute 7. Dan, VHS-Cheftrainer, "Kwan Chang Nim").
Meister Song, Chae-Yong hatte als 13-jähriger in der Mu Do Kwan Schule in Seoul unter Hwang Kee mit dem Tang Soo Do begonnen. Er legte unter Meister Hwang Kee die Prüfung zum 2. Dan Tang Soo Do ab. Während seines Militärdienstes an der nordkoreanischen Grenze leitete er dort das Karate-Training. Er legte bei der Armee die Prüfung zum 3. Dan Karate ab. 1968 kam er nach München, um Germanistik zu studieren. Er wurde von Meister Kwon, Jae-Hwa angeworben, um Taekwon-Do zu unterrichten. Meister Kwon verlieh ihm den 4. Dan Taekwon-Do.
1981 wurde die Deutsche Taekwondo Union (DTU) gegründet. Sie ist Mitgliedsverband der WTF. Anfangs war in der DTU aber auch das Hyong-System zulässig. 1995 wurden auf Druck der WTF die Hyongs in der DTU abgeschafft.

Formensysteme in Deutschland heute:
Taeguk/Poomse: DTU (WTF)
Tul: ITF
Hyong: Viele weitere Verbände, die das klassische Taekwon-Do betreiben (Traditioneller Taekwon-Do Verband (TTV), Traditionelle Taekwon-Do Vereinigung (TTV), Black Belt Center, Twin Center, Deutscher Taekwon-Do Bund, Taekwon-Do Center Bayern,...) Außerdem gibt es zahlreiche verbandsfreie Schulen und Vereine.



Quelle: Jürgen Englerth, Kurze Geschichte des Taekwon-Do.
SVDJK-Taufkirchen - Köglweg 99 - 82024 Taufkirchen